Gastro Hilferuf aus Giesing

Offener Brief der Giesinger Gastroszene an den Bezirksausschuss

Sehr geehrte Frau Dullinger-Oßwald,
sehr geehrte Bezirksausschussmitglieder, 

wir, die Giesinger Gastronomie, wenden uns mit einem offenen Brief an Sie als unsere direkten politischen Ansprechpartner*innen vor Ort. 
Um es ohne Umschweife zu sagen: Uns steht das Wasser bis zum Hals und wir benötigen dringend Unterstützung, um diese Pandemie wirtschaftlich überleben zu können. 

Kurz zusammengefasst: 
Wir haben seit 15.03.2020 geschlossen oder nur bedingt geöffnet
Wir haben weiterhin alle unsere laufenden Kosten, insbesondere hohe Mietzahlungen
Viele von uns haben bis heute noch keine Soforthilfe erhalten
Die größten „Entlastungen“, die wir errungen haben, belaufen sich auf teilweise Stundungen der Mieten.
Die angekündigte Mehrwertsteuersenkung von 19% auf 7% ist für viele nicht oder nur marginal relevant.

Wir können uns den Ergebnissen der Umfrage von Save our local Gastro (SOLG) anschließen, in der es u.a. heißt: Über 70% der Gastronomen können mit 1.5 Metern Mindestabstand innen nicht genug Umsatz generieren. Von den 81% der Gastronomen mit Freischankflächen außen, können 70% mit 1.5 Metern Mindestabstand außen nicht genug Platz generieren. Fast 85% hilft die Möglichkeit von Abholung/Lieferservice nicht, da es nicht rentabel ist. Eine Wiedereröffnung auf Raten würden nur 17% finanziell überstehen.

Wir Gastronomen stehen zudem vor der Herausforderung moralisch abzuwägen, ob wir es verantworten können unsere Läden zu öffnen, ob wir damit ein richtiges Zeichen setzen. All diese Überlegungen mit finanziellen Nöten im Nacken sitzend. 

Wir haben alle Belastungen und nur sehr begrenzte oder keine Entlastungen. So schaffen wir
es nicht. Wie kann und will der BA 17 auf den Zusammenbruch der lokalen Wirtschaft reagieren? Welche Maßnahmen sind geplant und wie wird die Gastronomie hier berücksichtigt? Wir brauchen in diesen Zeiten dringend Planungssicherheit und wünschen uns eine transparente Kommunikation, wie wir sie bisher immer mit unserem BA hatten. 

Bisher sind wir mehr als enttäuscht, was von staatlicher Seite als „Hilfsangebot“ an uns herangetragen wurde. Seitens der MGS hat uns als Gewerbetreibende der Aufruf zu „mia gehen online“ erreicht, wenig durchdacht, um es diplomatisch zu formulieren. Wie sollen wir unser „Geschäftsmodell anpassen“, unserer Kneipe einen Online Shop verpassen? Wo es möglich ist, haben viele von uns schon Lieferservice und Abholung organisiert.

Es kann nicht sein, dass bis jetzt nur seitens der Giesinger Bürger*innen Solidarität zu erfahren ist, es kann nicht sein, dass eine Initiative wie #lokalsupportgiesing von einer Privatperson verantwortet werden muss. Diese Aktion sollte im Viertel getragen werden, auch von der Politik. 
Wie kann es sein, dass sich keine Fraktion aus dem BA bis jetzt unterstützend oder wohlwollend zur Initiative geäußert hat, dass es ignoriert wurde? Wenn es derzeit doch das einzige ist, was uns von Woche zu Woche trägt. 

Spätestens nach der Pressekonferenz von Ministerpräsident Söder wurde klar, was der Gastronomie noch bevorstehen wird, hat Söder doch verkündet, er hoffe „[…] dass wir bis Pfingsten ein Signal für Veränderungen der Gastronomie setzten können [..]“.  

Es darf nicht übersehen werden, dass es für die Gastronomie über den Shutdown hinaus massive Einschnitte geben wird. Die nun beschlossene Absenkung der Mehrwertsteuer – so richtig sie im normalen Alltag wären – ist an dieser Stelle kein Pferd, auf das wir setzen können; zumal sie lediglich die Abgabe von Speisen betrifft. Alle Gastronomien, egal welche Ausprägung, machen ihren unbedingt notwendigen „Schnitt“ mit dem Verkauf von Getränken. Hier bleibt der gewohnte Mehrwertsteuersatz bestehen. Hier in Giesing sind die Betriebe, welche die „bunte Gastro-Kulturlandschaft“ in unserem eigentlich so geschätzten Stadtviertel prägen, ausschließlich auf ein Getränkeangebot spezialisiert. Dieses Angebot schätzen die Bürger*innen und nutzen es gern, sie erachten es als Teil ihrer Lebensqualität des Wohnviertels – und die Gäste wünschen sich ein enges Beisammensein in den entsprechenden Bars, Kneipen, Boazn und Kulturräumen.  

Diese Bedingungen, die wir brauchen, damit wir uns wirtschaftlich tragen können, wird es aller
Voraussicht im Jahr 2020 nicht mehr geben. Die Folge ist in aller Härte ausgedrückt: ein naher
Tod eines wichtigen Teils des öffentlichen und gesellschaftlichen Lebens im Stadtviertel.


Es braucht ganz konkrete finanzielle Hilfen, mindestens weitreichende Beteiligung an Grundkosten und Mieten. Und das schnell. Giesing mit seinem vielfältigen gastronomischen Angebot wird sonst in wenigen Monaten bzw. nach einem möglichen Wiederaufbau des Normalbetriebs im Laufe von 2021 nachhaltig ein anderes Gesicht tragen: ein lebloses.
 
Wir bitten Sie daher als unsere Vertreter*innen sich in den politischen Ausschüssen, Foren und auf Stadtratsebene für uns einzusetzen und in Ihren Möglichkeiten auf der Ebene des Bezirksausschusses für uns einzustehen.   
 
Mit freundlichen Grüßen und bleiben Sie gesund! 

Sebastian Erlenmaier (Altgiesing)
Gianluca Massa (Ambar Bistro)
Andy A. Rudolf (Antons Café Bar)
Nadja van Mark (Restaurant Kiosk am Grünspitz)
Foti Stefanidis (Bistro Bar Herzog)
Florian Falterer (Riffraff)
Ina Mende (Kastaniengarten)
Robert Völtl (Trepperlwirt)
Gabi Benkert (Café Schau ma moi)  

AKTUELLES - Corona Hilfsangebote

Wir in Giesing e. V. unterstützt die wundervolle Initiative #lokalsupportgiesing! Die Initiative unterstützt die Giesinger Gastroszene in diesen schwierigen Zeiten.
Wie genau? Mit kleinen Spenden von Stammgästen und Genießern – ganz einfach über Paypal. Damit wir auch in Zukunft eine bunte und lebendige Gastroszene in Giesing haben!

#lokalsupportgiesing in den Medien

Hier findet ihr eine Übersicht über allen Medienberichte des #lokalsupportgiesing.

„Deinen Lieblingsladen wird es dann nicht mehr geben“
Florian Falterer (riffraff und vom Crönlein) im SZ-Podcast „Auf den Punkt“.

„Halbwissen der Derby Emotionen“
Interview mit Sebastain Erlenmaier vom Kiosk am Grünspitz

„Im Kopf bin ich am Arbeiten“
Florian Falterer (riffraff und Crönlein) im AZ Interview (Abendzeitung München)
„Ihr für uns – wir für Euch“
Die Profi-Mannschaft und Hacker-Pschorr unterstütz „Lokal Support Giesing“ (Pressemeldung TSV 1860)
TSV 1860: Corona Hilfe . Löwenspieler spenden für Giesinger Wirte“
Mit Geld aus der Mannschaftskasse(Abendzeitung München)
Lokale Hilfe
Online Plattform vermittelt „Trinkgeld“ für Kneipen und Cafés (Süddeutsche Zeitung)
Giesinger Gastronomie unterstützen
„Wir in Giesing“ startet Plattform für Online-Trinkgeld (Wochenanzeiger München)

Wir haben in Giesing viele Corona Hilfsangebote, die wir Euch gern vorstellen möchten.
Wenn ihr noch was wisst, was in unserer Sammlung fehlt, mailt es uns an kontakt@wir-in-giesing.de

Giesing to go ist eine kleine Initiative, die Gastronomen in Giesing – vor allem Obergiesing – die Take-Away-Service anbieten, in der Corona-Krise mehr Sichtbarkeit verschaffen soll. Ziel ist es, Informationen über alle Lokale zusammenzutragen, die Speisen und Getränke “to go” anbieten. Eine Übersicht, wer schon alles dabei ist, gibt es hier.

Der Poesiebriefkasten stellt Euch während der Corona-Krise Gedichte auf Youtube vor. Bitte per Post an:
Poesiebriefkasten, Wirtstraße 17, 81539 München
Berichtet über die Aktion haben bereits der Wochenanzeiger und die Süddeutsche Zeitung.
Poesie gegen Corona Blues 1
Poesie gegen Corona Blues 2

Auf den Seiten des Stadtteilladen Giesings gibt es viele Informationen über rechtliche und finanzielle Aspekte rund um Corona.
Aufgelistet sind dort die Themen „Soforthilfe“, „Kurzarbeitergeld“, „weitere wirtschaftliche Hilfen“ sowie lokale HIlfsangebote in den sozialen Einrichtungen und den Nachbarschaftstreffs. Zudem findet sich eine gut sortierte Liste mit allen wichtigen Telefonnummern und weitere gebündelte Informationen der Stadt München. Mehr dazu hier.

Die Corona-Krise stellt viele inhabergeführte Geschäfte im Viertel vor große Herausforderungen: Viele Läden, die als nicht „systemrelevant“ gelten, mussten wegen der behördlichen Auflagen schließen – gleichzeitig laufen Miet- und vielfach auch Personalkosten weiter. Die Initiative südsaver möchte in dieser schwierigen Situation helfen und inhabergeführte Unternehmen im Viertel zielgerichtet unterstützen.
Ab sofort können inhabergeführte Geschäfte in Giesing die Infrastruktur der Initative südsaver nutzen, um Gutscheine für ihr Geschäft online zu verkaufen – auf diese Weise erhalten Geschäftsinhaber kurzfristig bereits in den kommenden Tagen und Wochen Einnahmen, die aufgrund der behördlich verfügten Schließung des Geschäfts entfallen wären. Die Einnahmen aus dem Verkauf der Gutscheine werden den Geschäften jeweils zur Monatsmitte überwiesen.

Die Aktion richtet sich an inhabergeführte Geschäfte und Dienstleister (Läden, Gastronomie, Galerien, Kunstwerkstätten, Musikschulen, etc.) in und um Giesing (Stadtbezirke 17 und 18). Die Gutscheine werden von südsaver in Kommission für die beteiligten Partner verkauft.

Wenn Du auf dem Laufenden gehalten werden willst, und die „News“ im Viertel in unregelmäßigen Abständen bekommen willst, dann abonniere unseren Newsletter.